Wirtschaft mit Werten: Ein Rückblick auf das GWÖ/CGM Herbst Forum 2026

Am 22. Oktober 2026 fand an der WU Wien das GWÖ/CGM Forum statt, das Fragen zur ethischen Zukunft unseres Wirtschaftssystems in den Mittelpunkt rückte. Es diskutierten Expert*innen aus Wirtschaft und Wissenschaft über ethisches Wirtschaften und nachhaltige Zukunftsperspektiven.

Am Podium unter Moderation von Barbara Andraschko diskutierten

  • Christian Felber –  Gemeinwohl-Ökonomie
  • Gabriela Maria Straka –  respACT Österreich
  • Johannes Gutmann –  Firma Sonnentor
  • Brian Matthews –  WU CGM Network
  • Elisabeth Lennes –  Economy of Communion, Dialog Hotel

wie durch verschiedene Ansätze ethischen Wirtschaftens ein wirksamer Beitrag zur Erhöhung des allgemeinen Gemeinwohls erreicht werden kann.

Zweck und Mittel: Kein Widerspruch

Eine der zentralen Diskussionslinien betraf die vermeintliche Spannung zwischen Gemeinwohlorientierung und Gewinnorientierung. Wie am Podium deutlich wurde, handelt es sich hier um zwei verschiedene Kategorien – ähnlich wie Zweck und Mittel. Der Zweck (Gemeinwohl) muss nicht im Widerspruch zum Mittel (Gewinn) stehen, solange das Mittel dem Zweck dient und diesem nicht schadet.

Für eine solche Ausrichtung müssen Zweck und Mittel in der Unternehmensführung, -strategie und besonders in der Erfolgsmessung unterschiedlich reguliert werden.

Purpose vor Profit

Brian Matthews betonte: „Purpose vor Profit“ sei kein leeres Schlagwort, sondern erfordere konkrete Veränderungen im Führungsstil und Management. Er riet Studierenden ausdrücklich zu kritischem Denken: „Ihr dürft kritisch sein, es ist okay anders zu denken.“ Nur durch Mindset-Veränderung könne über Purpose und Führungsstile gesprochen werden.

Erfolg neu definieren

Gabriela Maria Straka brachte die aktuelle Herausforderung auf den Punkt: „Erfolg ist der Kern, Druck der Investoren.“ Während frühere Nachhaltigkeitsberichte oft reine Marketinginstrumente waren, erzwingen neue Regulierungen wie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) echte Transparenz. Dennoch fehlen wichtige Bausteine wie eine Sozialtaxonomie.

Kooperation statt Wettbewerb

Christian Felber verwies auf Forschungserkenntnisse, die zeigen: In Kooperationen wird höhere Leistung erzielt als im Wettbewerb. Dies stellt traditionelle wirtschaftswissenschaftliche Lehrbücher infrage, die bis heute primär den maximierenden Konsumenten im Fokus haben.

Praktische Beispiele

Johannes Gutmann von SONNENTOR zeigte, dass Unternehmen mit vier Tagen pro Woche und anderen alternativen Modellen funktionieren können. „Sonnentor ist eine Ausnahme, die zur Regel werden sollte.“ Intrinsische Motivation im Team bleibe entscheidend.

Elisabeth Lennes vom DiaLog Hotel Wien berichtete aus der Praxis der Economy of Communion und demonstrierte, dass ethisches Wirtschaften im Dienstleistungssektor gelebt werden kann.

Der Abend brachte vielfältige Perspektiven zusammen, sowohl hinsichtlich der Hintergründe der Podiumsdiskutanten als auch des Publikums, das den Raum füllte und WU-Studierende und -Lehrende, Alumni, österreichische Unternehmer*innen sowie viele andere umfasste. Die Debatte war hitzig, und die Fragen des Publikums waren provozierend – im besten Sinne. Die Diskussion setzte sich während der Networking-Session noch weit in den Abend hinein fort.

Die Gemeinwohl-Ökonomie und das Common Good Management Network kündigten bereits an, das Event im kommenden Jahr hybrid auszurichten, damit noch mehr Menschen teilnehmen können.

Die zentrale Fragen bleiben: Wenn wir Unternehmenserfolg neu definieren könnten – welche Werte müssten dann in der Bilanz genauso viel zählen wie der finanzielle Gewinn? Wie können wir wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer und ökologischer Verantwortung in Einklang bringen?

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Gäste und Moderatorin beim GWÖ / CGM Herbst Forum 2026

Die Podiumsdiskussion ist eine gemeinsame Veranstaltung von