UN-Bericht nennt Gemeinwohl-Ökonomie als
Ansatz für eine Wirtschaft jenseits des Wachstums

Am 25. Juni wurde bei der 62. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates die finale Fassung der „Roadmap for Eradicating Poverty Beyond Growth“ vorgestellt. Der Bericht wurde im Rahmen des Mandats des ehemaligen UN-Sonderberichterstatters für extreme Armut und Menschenrechte, Olivier de Schutter, erarbeitet.

Die Roadmap untersucht wirtschaftspolitische Ansätze zur Bekämpfung von Armut, die nicht auf dauerhaftes Wirtschaftswachstum angewiesen sind. Als Bezugspunkte werden unter anderem die Wellbeing Economy, Doughnut Economics, Degrowth, feministische Ökonomie, die Care Economy, die Sozial- und Solidarwirtschaft, die Foundational Economy sowie die Gemeinwohl-Ökonomie (Economy for the Common Good) genannt. Der Bericht stellt fest, dass diese Ansätze wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung wirtschaftspolitischer Konzepte leisten, bislang jedoch kein gemeinsames übergeordnetes Rahmenkonzept bilden.

Vor diesem Hintergrund schlägt die Roadmap das Leitbild einer „Human Rights Economy“ vor. Darunter versteht sie eine Wirtschaftsordnung, die an der Verwirklichung wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Menschenrechte sowie am Schutz einer sicheren und gesunden Umwelt ausgerichtet ist. Als normative Grundlage dienen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte.

Die Gemeinwohl-Ökonomie wird im Bericht einmal ausdrücklich als einer der geeigneten Ansätze erwähnt. Darüber hinaus verweist die Roadmap im Politikvorschlag 1.4 „Maximum Income Schemes“ (S. 68) auf das Buch Money. The New Rules of the Game von Christian Felber als Referenz für Instrumente zur Begrenzung sehr hoher Einkommen.

Mit dem Amtsantritt von Elena Carolina Díaz Galán als neue UN-Sonderberichterstatterin wird die Arbeit an den im Bericht beschriebenen Ansätzen im Rahmen der Initiative New Economies for Eradicating Poverty (NEEP) fortgeführt.

Die Erwähnung der Gemeinwohl-Ökonomie in der Roadmap zeigt, dass wir Teil der internationalen Debatte über wirtschaftspolitische Modelle zur Armutsbekämpfung und nachhaltigen Entwicklung sind.